WIDERSPRUCH UND WIDERRUF VON KAPITALLEBENSVERSICHERUNGEN

Widerspruch und Widerruf von Lebensversicherungen sind finanziell gesehen in vielen Fällen vorteilhaft. Warum? Viele abgeschlossene Lebensversicherungsverträge sind als Altersvorsorge mittlerweile ungeeignet. Zum einen ist aufgrund des geringen Zinsniveaus eine lohnenswerte, angemessene Verzinsung in der Zukunft nicht zu erwarten, zum anderen sind es viele Versicherungsnehmer schlicht leid, ihr Geld in unrentable Anlagen zu investieren, in denen das Kapital durch Abschluss- und Verwaltungskosten aufgefressen wird.

Daher macht es Sinn, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das gebundene Kapital aus den unprofitablen Geldanlagen lösen kann, ohne dass Abschluss- und Verwaltungskosten – wie bei der Kündigung – bei der Versicherung verbleiben.

Fallbeispiele aus der Praxis

Beachten Sie hierzu beispielhaft, welche Vorteile ein Widerspruch haben kann:

Beispiel 1

+ 18.397,19 €

Versicherungsbeginn 01.11.2003
Gezahlte Prämien 66.841,79
Auszahlung bei Kündigung (Jahr 2012) 54.734,12 € - 12.107,67 €
Auszahlung bei Widerspruch (Jahr 2016) 73.131,31 + 18.397,19 €

Beispiel 2

+ 28.712.01 €

Versicherungsbeginn 01.07.1997
Gezahlte Prämien 142.200,45
Auszahlung bei Kündigung (Jahr 2014) 143.784,28 € + 1.583,83 €
Auszahlung bei Widerspruch (Jahr 2014) 170.912,46 + 28.712,01 €

Widerspruch / Widerruf VS Kündigung

Kündigung

Kündigung = Realisierung der Unkosten = Profit machen nur die Versicherungen

Neben Widerspruch / Widerruf der Lebensversicherung haben Sie die Möglichkeit, Ihre Lebensversicherung zu kündigen. Dies ist jedoch in den meisten Fällen die verlustreichste Methode.

Kündigen Sie Ihren Lebensversicherungsvertrag, so gilt er ab einem bestimmten Zeitpunkt, namentlich sobald die Kündigung wirksam wird, als aufgehoben. Die bisherige reguläre Laufzeit des Vertrages bleibt dabei unangetastet und Sie erhalten lediglich den sogenannten „Rückkaufswert“. Dieser ist in den meisten Fällen deutlich geringer als der Betrag, den Sie bisher insgesamt in Ihre Lebensversicherung hinein investiert haben. Grund hierfür ist beispielsweise, dass die Versicherungsunternehmen bereits angefallene Verwaltungskosten einbehalten.

Widerspruch / Widerruf

Widerspruch und Widerruf = Optimierung Ihrer Investitionen

Entscheiden Sie sich jedoch für die Möglichkeit des Widerspruchs oder Widerrufs Ihrer Lebensversicherung, so wird Ihr Lebensversicherungsvertrag rückwirkend vollumfänglich aufgehoben. Sie werden so gestellt, als hätten Sie den Vertrag nie unterzeichnet. Deshalb erhalten Sie in dieser Variante sämtliche eingezahlten Beträge zurück. Der finanzielle Vorteil gegenüber einer Kündigung ist hierbei in vielen Fällen immens. Teilweise erhalten Sie durch einen Widerspruch oder Widerruf Ihrer Lebensversicherung 50 % mehr Geld zurück als im Falle einer Kündigung.

In welchen Stadien eines Lebensversicherungsvertrages macht ein Widerspruch / Widerruf Sinn?

Sie haben Ihren Versicherungsvertrag gekündigt. Sie möchten einen größeren Ertrag erhalten als den bereits ausgezahlten Rückkaufswert.

Sie verfügen über einen bestehenden Lebensversicherungsvertrag, möchten diesen jedoch auflösen und hierbei keine oder möglichst geringe Verluste erleiden.

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Und so geht es:

  • 1. Prüfauftrag ausfüllen (Download)
  • 2. Versicherungsvertrag hochladen
  • 3. auf „Daten übermitteln“ klicken

    Dann wissen Sie,

    • welchen Betrag Sie durch einen Widerspruch nach einer überschlägigen Berechnung von der Versicherung erhalten können,
    • ob Ihre Rechtsschutzversicherung deckt und welche Kosten und Risiken auf Sie zukommen können, wenn Sie sich dazu entschließen, Ihr Recht geltend zu machen,
    • in welchem Zeitraum Sie in etwa mit der Bearbeitung Ihres Auftrages rechnen können.

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      Häufige Fehler in den Belehrungen zum Widerruf der Lebensversicherungen

      Die häufigsten Fehler innerhalb der Widerrufsbelehrungen von Lebensversicherungen unterlaufen den Unternehmen in folgenden Punkten:

      1. Die Belehrung muss besonders hervorgehoben sein und sich vom Rest des Vertragstextes deutlich unterscheiden. Dies kann beispielsweise durch Unterlegung, Umrahmung, größere Schriftgröße, Fettdruck oder farblichen Druck geschehen.
      2. Bis zum 01. August 2001 musste in den Belehrungen auf die notwendige Schriftform des Widerrufs hingewiesen werden. Diese ist nun nicht mehr vonnöten. An ihre Stelle trat die Textform, sodass ein Widerruf nunmehr auch per E-Mail möglich ist. Ein Hinweis auf die Notwendigkeit der Textform ist daher innerhalb der Belehrung unabdingbar.
      3. Ebenso notwendig ist ein Hinweis auf die geltenden Fristen. Anstelle der herrschenden 30-tägigen Frist benennen manche Versicherungsunternehmen in ihren Belehrungen eine einmonatige Frist. Diese Formulierung kann jedoch zu einer Verkürzung führen.
      4. Die 30-tägige Frist wird durch rechtzeitiges Absenden der Widerrufserklärung eingehalten. Der Eingang der Erklärung bei dem Versicherer ist hierfür nicht maßgeblich. Auch hierauf muss in der Belehrung hingewiesen werden.
      5. Die Unterlagen im Vertrag müssen vollständig benannt werden.

      Bei folgenden Lebensversicherungen kann die Belehrung fehlerhaft sein

      • AachenMünchener
      • Allianz
      • Alte Leipziger
      • ARAG
      • Asstel
      • AXA
      • Barmenia
      • Basler
      • Bayern Versicherung
      • Clerical Medical / Scottish Widows
      • Concordia
      • Condor
      • Continentale
      • Cosmos Direkt
      • DANV
      • Debeka
      • Deutsche Ärzteversicherung
      • DEVK Eisenbahn
      • DEVK Allgemeine Lebensversicherung
      • Die Bayerische
      • ERGO
      • ERGO Direkt
      • EUROPA
      • Familienfürsorge
      • Generali
      • Gothaer
      • Hannoversche Leben
      • HanseMerkur
      • HDI
      • Helvetia
      • HUK
      • Ideal
      • IDUNA Vereinigte Lebensversicherung
      • INTER
      • InterRisk
      • Itzehoer
      • Karlsruher
      • Landeslebenshilfe
      • LV 1871
      • LVM
      • Mecklenburgische
      • Münchener Verein
      • myLife
      • Neue Leben
      • NÜRNBERGER
      • NÜRNBERGER Beamten
      • Oeco Capital
      • Öffentliche Berlin
      • Öffentliche Braunschweig
      • Öffentliche Oldenburg
      • Öffentliche Sachsen-Anhalt
      • PBV Lebensversicherung
      • Provinzial NordWest
      • Provinzial Rheinland
      • R+V
      • R+V a.G.
      • Rheinland
      • Saarland
      • Sparkassen-Versicherung Sachsen
      • Stuttgarter
      • Süddeutsche
      • SV Leben
      • Swiss Life
      • TARGO
      • uniVersa
      • VGH Versicherungen
      • VHV Leben
      • VOLKSWOHL BUND
      • VPV Leben
      • WGV
      • Württembergische
      • WWK Lebensversicherung a.G.
      • Zurich Deutscher Herold

      Rechtsgrundlagen für Widerspruch und Widerruf der Lebensversicherung

      Die Möglichkeit eines Widerrufs oder Widerspruchs besteht grundsätzlich bei allen Lebensversicherungen sowie Rentenversicherungen, die im Zeitraum zwischen dem 29.07.1994 und dem 31.12.2007 in Form des sogenannten „Policemodells“ abgeschlossen wurden.

      Innerhalb dieses Zeitraums fand die nunmehr alte Fassung des Versicherungsvertragsgesetzes, abgekürzt VVG, auf alle abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge Anwendung. In dieser ehemaligen Fassung war das Recht jedes Versicherten festgehalten, innerhalb von 14 Tagen nach Unterzeichnung des Versicherungsvertrags von dem Vertrag zurückzutreten. Nach dem 08.12.2004 verlängerte sich diese Frist auf 30 Tage. Das Gesetz sah weiterhin vor, dass das jeweilige Versicherungsunternehmen ihre potentiellen Kunden im Rahmen ihrer Belehrung auf diese Möglichkeit hinweisen musste. Trotz dieser gesetzlichen Regelung lassen über 60 % der in diesem Zeitraum abgeschlossenen Lebensversicherungsverträge in ihren Belehrungen ebendiesen Hinweis vermissen.

      Gemäß den weiteren Regelungen des Versicherungsvertragsgesetzes konnten die Versicherten in Fällen fehlerhafter bzw. unvollständiger Belehrung durch die Unternehmen so lange widersprechen, bis seit ihrer ersten Beitragszahlung ein Jahr verstrichen war.

      Diese Regelung wurde im Jahre 2014 durch den Bundesgerichtshof aufgehoben. In seiner Entscheidung vom 24.02.2014, Az. IV ZR 512/14 erkannte er die Unvereinbarkeit der dargestellten Regelung mit geltendem EU-Recht. Es entspricht nicht den europäischen Leitlinien, den Versicherungsnehmern nach einem Jahr ihr Recht auf Widerspruch zu nehmen, wenn sie diesbezüglich nicht lückenlos und zutreffend belehrt worden waren.

      Diese Grundsatzentscheidung hat weitreichende Auswirkungen. Es wurde konstatiert, dass eine fehlerhafte bzw. unvollständige Belehrung im Gegensatz zu einer korrekten Belehrung die Widerspruchsfrist nicht in Gang setzt. Somit kommt den fehlerhaft belehrten Versicherungsnehmern nun ein zeitlich gänzlich unbegrenztes Widerspruchsrecht zu, das auch nach mehreren Jahren noch Früchte tragen kann.