VW-Abgasskandal: Erhebliche Mängel nach Softwareupdate – AGR-Ventil defekt – Versottungsschäden bis zum Totalausfall

Verfasst am 31.05.2017

Defekte AGR-Ventile und Motorschäden: Im Abgasskandal um manipulierte Dieselwagen bei VW scheint kein Ende in Sicht. Auch nach dem Umrüsten der Software nach einer großangelegten Rückrufaktion kommt es bei zahlreichen Kunden zu gravierenden Störungen beim Fahrzeugbetrieb. Offenbar wurden in vielen Fällen defekte AGR-Ventile und andere Versottungsschäden gemeldet, welche Motorschäden zur Folge hatten bis hin zum Totalausfall der betroffenen Fahrzeuge.

Defekte AGR-Ventile

Der Autokonzern hatte von der Diesel-Affäre betroffene Fahrzeuge zurückgerufen, um die Schummelsoftware auszutauschen, welche erkennen konnte, ob das Fahrzeug im Straßenbetrieb fuhr oder auf einem Prüfstand war. Kombiniert mit einer illegalen Abschalteinrichtung, die verwendet wurde, um Abgasnormen einhalten zu können, waren diese Software-Module Auslöser für den VW-Abgasskandal gewesen.  Im Normalbetrieb der Fahrzeuge wurden dabei höhrere Schadstoffausstöße zugelassen als beim Prüfbetrieb. Nachdem diese Software nun ausgetauscht worden ist, kommt es bei zahlreichen Fahrzeugen wohl aber zu massiven Störungen an den AGR-Ventilen. Die AGR-Ventile werden zur Abgasrückführung (AGR) verwendet, um den Emissionsanteil von umweltfeindlichen Stickoxiden, die bei der Dieselverbrennung entstehen, gering zu halten.

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Das AGR-Dilemma

Als Abgasrückführung wird ein Vorgang bezeichnet, bei dem Abgasluft nicht ausgestoßen, sondern erneut für die Verbrennung genutzt wird. Durch die Abgasrückführung wird der Ausstoß von Stickoxiden verringert, jedoch führt die AGR gleichfalls zu einer erhöhten Bildung von Rußpartikeln während der Kraftstoffverbrennung. Sowohl der Ausstoß von Stickoxiden als auch die Emmission von Rußpartikeln werden aber durch rechtliche Höchstwerte begrenzt, die nicht überschritten werden dürfen (Norm Euro 6). Je höher die Motorlast steigt, umso größer wird der Anteil an Rußpartikeln an den Abgasen, die Abgasrückrührung muss dann aber zurückgefahren werden, um einer Verrußung der Abgase entgegenzusteuern. Die AGR führt also zu einer veringerten Emmission von Stickoxiden, erhöht aber den Rußpartikelanteil in den Abgasen.

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Versottungsschäden und verstopfte AGR-Ventile nach Softwareupdate

Die von VW ausgetauschte  Motorsteuerungssoftware führt nun dazu, dass der Anteil an Stickoxiden geringer ausfällt. Offenbar entstehen nun aber auch mehr Rußpartikel, die zu Versottungsschäden führen können. Versottung bezeichnet die von der Verschmutzung bis hin zur Verstopfung reichende Verunreinigung von Leitungen und anderen Komponenten der Motorentechnik. Die Presse berichtete bereits von zahlreichen Kunden, bei denen das AGR-Ventil schon kurz nach dem Softwareaustausch nicht mehr funktionsfähig war. Auch der Kanzlei Werdermann | von Rüden sind Fälle bekannt, bei denen nach dem Aufspielen der neuen Software Versottungsschäden auftraten. Mandanten berichten von einer vermindeteren Motorenleistung, ruckelnden Motoren und starkem Rußaustritt. Diese Schäden hatten dann zum Teil auch den Totalausfall des Motors zur Folge.

Nicht in allen Fällen hat VW die Kosten für die Reparaturen übernommen. Ist aber das Softwareupdate für die Schäden verantwortlich, muss selbstverständlich der Hersteller für die notwendig gewordenen Reparaturen gerade stehen. Auch Fehler in der Software, die in den Fahrzeugen zum Einsatz kommt, können einen Mangel darstellen und umfangreiche Gewährleistungsrechte und Schadensersatzansprüche begründen – bis hin zum Rücktritt vom Autokauf.

Es scheint also, dass durch die größte Werkstattaktion in der Geschichte des VW-Konzerns – der massenhafte Rückruf von VW-Dieselfahrzeugen – der Abgasskandal noch nicht beendet wurde.