Abgasskandal bei Nissan

Abgasskandal bei Nissan

Der japanische Autohersteller Nissan vertreibt unter der Modelbezeichnung cDi Dieselmotoren verschiedener Leistungsklassen. Der Hubraum variiert von 1,5 l über 1,6 l bis 1,9 l und 2,0 l. Bei der Entwicklung und Produktion dieser Motoren arbeitet Nissan mit dem französischen Hersteller Renault und dem, ebenfalls in Japan beheimateten Hersteller, Mitsubishi zusammen. Diese Motoren kommen in allen Marken dieser Autobauer zum Einsatz. Dazu zählen die Fahrzeuge der Marken: Nissan, Mitsubishi, Datsun, Renault, Dacia und Lada sowie Mercedes-Benz.

Abgasmanipulation bei Nissan

Die „Auto-Zeitung“ berichtete bereits Mitte Mai 2017, das bei Motoren von Nissan und Mitsubishi Unregelmäßigkeiten bei den Abgaswerten festgestellt wurden. Die Deutsche Umwelthilfe und die amerikanische Emissions Analytics haben verschiedene Nissan-Modelle unter realen Bedingungen getestet. Die Ergebnisse sind deutlich. Nahezu jedes Dieselfahrzeug von Nissan überschreitet die zulässige Höchstgrenze der Schadstoffe.

Zu hohe Stickoxidwerte (NOx) bei Nissan

Die Messungen der Deutschen Umwelthilfe sowie der ADAC haben bei mehreren Modellen des japanischen Herstellers erhöhte Stickoxidwerte (NOx) festgestellt.

Konkret betroffen sind die folgenden Modelle.

Hersteller Typenbezeichnung Euronorm Soll-Wert NOx Ist-Wert NOx Quelle Motortyp
Nissan Qashqai 6 80 677 DUH 1,6 l
Nissan X-Trail 5 180 1200 ADAC 1,6 l
Nissan Qashqai 5 180 600 ADAC 1,5 l
Nissan Pulsar 5 180 480 ADAC 1,5 l

Nach einem Prüfbericht der EQUA-Index weisen nachfolgende Nissan-Modelle der EURO-5- und 6 Norm teils eklatante Abweichungen von den gesetzlichen Vorschriften auf:

Marke Model Typ Baujahr Motorgröße in Liter PS EQUA Aq Rating
Nissan Juke Diesel 2011 1,5 108 H
Nissan Juke Diesel 2015 1,5 108 H
Nissan Micra Diesel 2017 1,5 89 E
Nissan Note Diesel 2012 1,5 89 H
Nissan Qashqai Diesel 2011 1,6 128 H
Nissan Qashqai Diesel 2011 1,6 128 H
Nissan Qashqai Diesel 2014 1,5 108 H
Nissan Qashqai Diesel 2014 1,6 128 F
Nissan Qashqai Diesel 2016 1,6 128 H
Nissan X-Trail Diesel 2014 1,6 128 E
Nissan X-Trail Diesel 2014 1,6 128 F
Nissan X-Trail Diesel 2017 1,6 128 G

Legende:

Rating Untere Grenze 1 Höchstgrenze2
A++ 0.00 0.125 Euro 4-6 Diesel
A+ 0.125 0.25 Euro 4-6 Diesel
A 0.25 0.50 Euro 4-6 Diesel
B 0.50 0.64 Euro 3 Diesel
C 0.64 1.00 Euro 2 Diesel, Euro 4-6 petrol
D 1.00 1.60 Diesel Limit
E 1.60 2.20 Euro 2 Benzin
F 2.20 2.72 Euro 1 Diesel, Euro 1 Benzin
G 2.72 5.44 Up to double Euro 1
H 5.44 More than double Euro 1
Einheiten: g/km 1exclusive, 2 inklusive

Die Motoren sind mit einer Steuerungssoftware ausgestaltet, die die Vornahme eines Emissionstests erkennt und lediglich in diesem Fall das volle Emissionskontrollsystem des Fahrzeuges aktiviert. Hierdurch werden auf dem Prüfstand geringere Stickoxidwerte (NOx) erzielt um die nach der im Einzelfall einschlägigen Abgasnorm (Euro 5 oder Euro 6) einzuhalten.

Die Folgen für die Kunden

Die betroffenen Modelle überschreiten die Grenzwerte an Stickoxiden teilweise um das Vielfache. Bei diesen Modellen sind die Folgen für die Käufer besonders schwerwiegend. Neben dem Wertverlust drohen Fahrverbote und teure Reparaturen infolge eines möglichen Softwareupdates. Diese Folgen sind den VW-Fahrern nur allzu bekannt und drohen auch den Käufern von Nissan Fahrzeugen die stets als besonders umweltfreundlich beworben wurden.

Umweltfreundlichkeit als Verkaufsschlager

Auch der Automobilmarkt ist gezwungen sich an die veränderten Kundenwünsche anzupassen. Heutige Autokäufer sind nicht nur an der Fahrleistung und dem sportlichen Design eines Fahrzeugs interessiert, sondern vielmehr soll ein Fahrzeug heutzutage auch Ausdruck eines umweltbewussten und nachhaltigen Lebens sein. Dem folgen die Fahrzeughersteller naturgemäß mit entsprechenden Werbeaussagen. So wurden auch die Fahrzeuge von Nissan stets mit den Attributen „Effizienz“ und „Umweltfreundlichkeit“ bewerben.

Ein paar Auszüge:

„Intelligente Mobilität definiert alles, was wir tun. NISSAN verwendet neueste Technologien, um Autos von einfachen Fahrzeugen in Mobilitätspartner zu verwandeln. Zusammen wird Ihre Fahrt selbstbewusster, vernetzt und aufregend. Seien es Automobile, die gemeinsam mit Ihnen die Fahraufgaben übernehmen, oder Autobahnen, die während der Fahrt Ihr Elektrofahrzeug aufladen – all dies liegt in der nahen Zukunft. Und diese Zukunft nimmt in dem NISSAN, den Sie heute fahren, bereits Gestalt an.“


aus dem Nissan Qashqai Katalog 2017

„Er überzeugt mit Drehmomentstärke bei gleichzeitig verringerten CO2-Emissionen. Doch egal, ob Sie sich für den starken 1.6 l DIG-T oder den sparsamen Dieselmotor entscheiden – Spritzigkeit und Dynamik sind Ihnen gewiss!“


aus dem Nissan Juke Katalog 2017

„Der neue NISSAN X-TRAIL wird von fortschrittlichen 1.6 l Benzin-, 1.6 l Diesel- und 2.0 l Dieselmotoren angetrieben. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen bieten die 1.6 l Motoren verbesserte Effizienz und niedrigere CO2-Emissionen; der 2.0 l Diesel bietet höhere Leistung. Die Motoren verfügen auch über das automatische Stopp-/Start-System von NISSAN, das den Motor abschaltet, wenn er vorübergehend nicht gebraucht wird, um zum Beispiel an roten Ampeln Kraftstoff einzusparen, und ihn dann sanft und schnell wieder startet, wenn Sie auf die Kupplung treten.“


aus dem Nissan X-Trail Katalog 2018

An dieser Stelle könnten noch zahlreich weitere Beispiele angeführt werden in denen Nissan mit Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit wirbt. Allein die tatsächlichen Schadstoffwerte sprechen eine deutlich andere Sprache. Festzustellen ist, dass nahezu jedes Dieselfahrzeug der Marke Nissan die vorgeschriebenen Abgaswerte nicht einhält. Teilweise werden nicht einmal die Abgaswerte der EURO 1 Norm eingehalten. Es handelt sich somit keineswegs um umweltfreundliche und nachhaltige Fahrzeuge. Leidtragende sind die Käufer und die Umwelt. Die Käufer sehen sich Softwareupdates, Folgekosten und Fahrverboten ausgesetzt. Die Umweltschäden durch die Abgase sind indes noch gar nicht absehbar.

Übersicht der schmutzigsten Dieselfahrzeuge

Die nachfolgende Übersicht stellt den Schadstoffausstoß der Fahrzeuge von Nissan im direkten Vergleich zu anderen Herstellern dar. Deutlich zu erkennen ist, dass Nissan und Renault die deutlich schmutzigsten Dieselfahrzeuge verkaufen.

Die Möglichkeiten bei einer illegalen Abschalteinrichtung

Um sich vor den negativen Auswirkungen der Abgasmanipulation zu schützen, stehen den Betroffenen verschiedene Möglichkeiten zu.

Ansprüche gegen den Fahrzeughändler

Zunächst bestehen Ansprüche gegen den Händler. Ein Autohändler hat dafür einzustehen, dass das Fahrzeug in einem ordnungsgemäßen Zustand verkauft wird. Sind die Abgaswerte entgegen den Angaben bei der Zulassungsstelle erhöht, stellt dies einen Mangel an dem verkauften Fahrzeug dar. Dem Käufer eines solchen Wagens stehen somit die Rechte auf Mängelgewährleistung zu. Mängelgewährleistung beinhaltet auch die Beseitigung des Mangels. Jedoch besteht in der Regel keine Möglichkeit den Mangel zu beseitigen ohne einen weiteren Mangen, infolge eines Softwareupdates, zu verursachen. Diese Ansprüche gegen den Händler sind daher in der Regel auf die Rückabwicklung des Kaufvertrages gerichtet. Dies bedeutet, dass der Wagen an den Händler zurückgegeben werden kann und der Kaufpreis erstattet wird. So hatte auch zuletzt das OLG Hamburg (Link zum Urteil) entschieden. Ein erstes wegweisendes oberinztanzliches Urteil liegt damit vor. Wie bereits aus anderen Abgas-Fällen bekannt, ist hier lediglich eine relativ geringe Nutzungsentschädigung für die gefahrenen Kilometer zu zahlen.

Ansprüche gegen den Fahrzeug- bzw. Motorenhersteller

Weiter sind Ansprüche gegen den Fahrzeug- bzw. Motorenhersteller gegeben. Der Umstand, dass Audi offensichtlich die Abgaswerte manipuliert hat, lässt den begründeten Verdacht zu, dass Audi bei der Zulassung der Fahrzeuge betrogen hat. Es handelt sich somit um einen Betrug im strafrechtlichem Sinne. Ähnlich lag der Sachverhalt bereits bei dem Volkswagenkonzern sowie der Daimler AG und BMW. Darüber hinaus hat Porsche in Prospekten und anderer Werbung extensiv mit der Umweltfreundlichkeit seiner Fahrzeuge geworben. Die tatsächlich gemessenen Abgaswerte lassen den Fahrzeugbauer alles andere als umweltfreundlich erscheinen. Die schlicht falsche Werbung ist unzulässig. Dies gibt dem Käufer die Möglichkeit deliktische Ansprüche gegen den Fahrzeughersteller geltend zu machen. Denn der Käufer vertraut in der Regel auf die Werbeaussagen eines Fahrzeugherstellers. Die Werbeaussagen stellen somit eine bewusste Täuschung der Kunden dar. Die Ansprüche gegen den Fahrzeughersteller richten sich in der Regel, auf die Rückgabe des Wagens direkt an den Hersteller. Hierbei ist ebenfalls der Kaufpreis, abzüglich der Nutzungsentschädigung, an den Käufer zu erstatten.

Ihr gutes Recht

Zusammenfasend stehenden den Käufern die Rechte, auf Rückabwicklung des Kaufvertrages und Rückgabe des Wagens an den Fahrzeughersteller, zu. Es ist nur eine geringe Nutzungsentschädigung zu leisten. Die Nutzungsentschädigung ist jedoch weitaus geringer als der tatsächliche Wertverlust den die Fahrzeuge erleiden. Darüber hinaus erhält der Käufer den Kaufpreis verzinst.

Die Rückgabe des Fahrzeugs gegen Rückerstattung des Kaufpreises ist somit die lukrativste und effektivste Methode sich vor den Folgen der Abgasmanipulation zu schützen.

Mit diesen Möglichkeiten, lassen sich der drohende Wertverlust sowie Fahrverbote und ein möglicher Entzug der Betriebserlaubnis effektiv verhindern.

Darlehnsfinanzierter Autokauf und Leasing

Oftmals wird der Wagen über ein Darlehn finanziert. Besonders die hochpreisigen Spitzenmodelle werden oft finanziert oder geleast. Auch hier bestehen Möglichkeiten sich von dem Schummelauto zu befreien. Über einen Widerruf des Darlehnsvertrages kann der Wagen an den Hersteller zurückzugeben werden und die bereits gezahlten Darlehnsraten werden erstattet. Der sogenannte Widerrufsjoker ist auch noch nach Jahren einsetzbar, selbst wenn das Darlehn bereits vollständig zurückgezahlt wurde. Voraussetzung ist, dass die Widerrufsbelehrung fehlerhaft oder unvollständig ist. Dies ist regelmäßig dann der Fall, wenn Pflichtangaben nicht vorhanden sind oder die Informationen unverständlich und undurchsichtig sind. Die Prüfung der Widerrufbarkeit des Darlehnsvertrages erfolgt im Rahmen einer kostenlosen Erstprüfung durch einen Rechtsanwalt.

Bei Leasingverträgen gehen die Ansprüche der betrogenen Kunden auf die Rückgabe des Fahrzeugs an den Leasinggeber und Rückzahlung der geleisteten Raten inclusive Sonderzahlung gegen den Motoren- bzw. Fahrzeughersteller.

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